Peugeot 504 Familiale von Frank Stein, Waltrop

 

 

Historie

Die Familie von Frank Stein besitzt seit Jahren einen goldgrünen Peugeot 504 Familiale, Bj. 1977. Franks Vater hat den Wagen damals für die Familie gekauft und vor ein paar Jahren erstmal weggestellt. Jetzt hat Frank den mittlerweile unglaublich seltenen Wagen wieder aus der Garage geholt und ihn wieder zum Leben erweckt.

Hallo, Michael!
 

Die Idee, unser Fahrzeug und seine Geschichte auf deiner Seite vorzustellen finde ich gut. Brauche aber etwas Zeit zum Zusammentragen.
 

Ein paar Details: Der Familiale ist Baujahr 1977. Er entspricht der Limousine, die Du aus dem Autohaus gekauft hast - gleiche Farbe, gleiches Armaturenbrett, allerdings Kunstlederausstattung. Mein Vater hat ihn aus erster Hand. Da er aber immer einen zweiten Wagen hatte, wurde er nur Sonntags und im Urlaub gefahren. Echte 120.000 km auf der Tachouhr. Das Auto ist ein echter Familiale, also mit zwei Rückbänken. Wir waren eine große Familie, und da musste so ein Wagen her.

Um welches Modell es sich dabei genau handelt, ist nie ganz eindeutig geklärt worden. Laut Bedienanleitung ist es ein F11. Er hat 97 PS und knapp 2 Liter Hubraum. Der Vergaser ist der 32 35 TMIMA, also Solex Frankreich. Für die Instandsetzung des Vergasers habe ich etwa 4 Wochen gebraucht. Retro Saar hatte einen Neuen im Angebot, aber 350 EUR fand ich unverschämt. Bei der Suche nach E-Teilen für das Ding ist mir dann ein anderer Solex Vergaser (Nr. weiß ich nicht, war aber auch Doppelregister) angeboten worden, aber ich wollte nicht auf Choke umbauen.

Dass die Kunstlederausstattung normalerweise da nicht hereingehört, hat schon mal jemand behauptet. Eine Erklärung, dass es sich um eine etwas unübliche Zusammenstelung handelt, könnte evtl. die Tatsache sein, dass er ursprünglich im Juli '77 geliefert werden sollte, aber dann doch erst im September, also nach den großen frz. Ferien, kam. Dies hat ihm übrigens eine Hohlraumversiegelung beschert, der er sicherlich seine heutige Existenz maßgeblich mitverdankt.

Nun ist der 504 Familiale ein geniales Auto, wenn man ihn fährt, aber eine Strafe, wenn man an ihm schraubt. Zwei Werksvertretungen hat mein Vater ausprobiert. Nur Pfusch und Ahnungslosigkeit. "Diesen Vergaser können wir nicht einstellen...". Danach haben sich zwei Schrauber dran versucht. Weil das Auto dann schon älter war und es keine Teile mehr gab, wurde leider Einiges einfachst repariert und geschweißt. Man war ja froh, dass man nicht weggeschickt wurde.
 

Die Jahre vergingen, ich zog von zu Hause aus, bastelte an vielen anderen Autos herum, habe mich auf Kleinwagen spezialisiert (BMW Isetta, Fiat 600). Der Peugeot blieb in seiner Garage, weil keiner was für ihn geben wollte und mein Vater sich von der Oldtimerei anstecken ließ: "Irgendwann wird er wertvoll". Leider fuhr er ihn die letzten Jahre nur zum TÜV und zurück in die Garage.

Alle Versuche, meinen Vater und seinen Peugeot auf eine Oldtimerausfahrt mit zu nehmen, scheiterten. "Die Batterie ist leer.... er zieht irgendwie nicht....". Frust machte sich breit: "Der Peugeot nimmt nur Platz weg, und was wert wird er auch nicht."

Mein Vater ist nun 74 Jahre alt und kann am Peugeot aus gesundheitlichen Gründen nichts mehr machen. Obwohl ich eigentlich gar keine Zeit für sowas habe, nahm ich mich der Sache an. Im August 2003 war TÜV Termin. "Das ist zu schaffen", dachte ich. Weit gefehlt! Dieses Auto ist eine schrullige Tante und eine undankbare Bastelaufgabe. Mit mir zusammen hat sich noch ein KFZ-Meister an der Wiederbelebung beteiligt, aber auch er war nach drei Tagen ratlos und gab auf. Sechs Wochen später endlich, nach dramatischsten Basteldramen, habe ich ihn aus seiner verdammten Garage mit viel Improvisation zu mir nach Hause bewegt. Hier habe ich ihm die restlichen Defekte ausgetrieben. Jetzt schnurrt der Löwe wieder!

Ich will versuchen, meinen Vater zu überreden, den Wagen weiter zu fahren, aber regelmäßig. Dann kann ich ihn mir auch mal leihen. Auf jeden Fall werde ich nicht nochmal solche Standschäden reparieren. Dem Familiale wurde mittlerweile die TÜV-Plakette zugeteilt. War gar kein Problem! Jetzt kann ich wieder auf die Straße. Dann lassen sich die letzten kleinen Wehwehchen viel leichter ausfindig machen und beheben. Trotz Mistwetter musste ich denn auch unbedingt ein paar Runden drehen - sänftengleich!!!! Und ich muss Dir echt recht geben: Der Wagen ist ein echter Hingucker! Da hat sich in den letzten Jahren etwas getan. Nachdem man in den letzten 20 Jahren eher bemitleidet oder auf den nächsten Schrottplatz verwiesen wurde, ging es heute echt nur: "Kultig", "Wem gehört denn dieses wahnwitzige Teil", "der Hammer"...

Soweit die Sache in Kürze.
Gruß Frank

Übrigens war der 504 Familiale von Frank Stein im November 2009 Modell für einen Artikel in der Zeitschrift "Auto Bild Klassik". Den Artikel findet Ihr unter "Literatur und Presse", oder Ihr klickt direkt hier.

zurück