Peugeot 504 TI von Manfred Gruner, Jost Oelmann & Caro Wysoki, Recklinghausen

 

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Historie

Manfred Gruner, Jost Oelmann und Caro Wysocki waren früher allesamt langjährige 504-Fahrer. Nachdem sie nach einigen Jahren 504-Abstinenz festgestellt hatten, dass sie der Virus nach wie vor nicht losgelassen hat, haben sie sich zusammen diesen makellosen 504 TI gekauft.

Zu dem Wagen hat mir Manfred Gruner die folgende Mail geschickt.

Nach einer 12-jährigen 504-Pause sind wir mit einer wunderbaren 78er TI-Limousine wieder in die 504-Welt eingestiegen.

Champagnerfarbene Karosse, perl-beige-metallic hieß die Farbe mal, braunes Leder im Innenraum, rund 85 Tausend Kilometer gelaufen. Wie kann ein solches Auto 30 Jahre überstehen ohne wesentliche Gebrauchsspuren, warum gibt es keinen Rost? Die vier Vorbesitzer haben es offensichtlich jederzeit gut gemeint mit dem Gefährt; der erste langjährige Besitzer wurde 1920 geboren und zahlte für seinen Neuwagen damals etwas mehr als 18.000 Deutsche Mark. Der kleine Aufschlag für die Extra-Portion Unterboden- und Hohlraumschutz erwies sich wohl als eine gute Investition in die Zukunft. Der letzte Besitzer, ein Berliner Rechtsanwalt, ließ das Auto über einen Oldtimer-Spezialisten in der Hauptstadt anbieten, und so hat die Limousine kürzlich seine neuen Liebhaber gefunden.

Vom Anfang der achtziger Jahre bis 1996 fuhren wir mit drei verschiedenen 504ern nicht nur Tag für Tag zur Arbeit und zum Kino, sondern auch kreuz und quer durch Europa. Damals „entnahm“ man diese Wagen quasi noch dem automobilen Alltag, zahlte selbst für gute Exemplare keine 3.000 Mark und freute sich - meistens.

Zum Einstieg ein L-Modell mit unbedeutendem Unfallschaden für 500 Mark und: Erste Zufriedenheit. Wie bequem doch ein Auto sein kann!

Später ein Traum: silberner 77er GL automatique, 1989 erstanden, besser gesagt erbettelt, von einer pensionierten Oberregierungsrätin, die auf eine unter den Scheibenwischer geklemmte Kaufanfrage erst leicht verunsichert, später doch mit größter Freundlichkeit reagierte. „Sie werden lachen, junger Mann, gerade übernächste Woche gedachte ich den Wagen abzugeben. Mein bestellter Neuwagen trifft ein, leider kein 504, denn die gibt’s ja nicht mehr, was ich sehr bedaure!“ Und: „Sie müssen entschuldigen, der grüne Leuchtring um den Zigarettenanzünder ist zerbrochen, das waren die Banausen aus der Werkstatt, oder glauben Sie, ich würde einen Zigarettenanzünder im Auto benutzen? Ich denke nämlich nicht daran zu rauchen!“ Damit war auch der einzige Mangel dieser Limousine beschrieben, weitere gab es nicht! Wie auch, die gnädige Frau war ja kaum gefahren, das aber regelmäßig. Doch dann der Albtraum: nach nicht mal einem Jahr: Unfall – aus dem „Neuwagen“ wurde ein Totalschaden. Reifenplatzer hinten bei Tempo 130 auf der Autobahn, eine Schleuderpartie, eine Leitplanke. Nicht schön. Dabei waren die Reifen ein paar Wochen zuvor neu aufgezogen worden.

Schließlich ein 72er GL, ebenfalls mit Automatik, diesmal in weiß. Erstklassige Substanz, aber dann doch mit einigen technischen Problemen, der Wagen hatte nach einem Todesfall einige Jahre gestanden, was ihm nicht nur gut bekommen war. Dank reichlich Erfahrung aber keine unüberwindbaren Hürden, nur kontinuierlich am Ball bleiben, das musste man über die Jahre schon.

Dass vor jedem Kauf die obligatorische Suche nach dem „Neuen“ jede Menge Schrott auf vier Rädern hervorbrachte, diesen Umstand kennen Oldtimerliebhaber wohl zur Genüge. Das Internet gab’s noch nicht, aber auch in Anzeigen und Telefonaten wurden „Autos vom Feinsten“ angepriesen, die sich dann wieder und wieder als das Gegenteil erwiesen: Autos kurz vorm Ende. Nun ja.

Als Umweltbewusstsein und verfügbares Kraftstoffbudget die Zeit der „Vernunftautos“ längst herbeigeführt hatten,  gewann der Wunsch, die alte 504er Leidenschaft wieder zu beleben, doch noch mal die Oberhand. Der Wagen taugt eben zum Klassiker, im Oldtimerstatus sind die ohnehin wenigen Kilometer wohl zu vertreten. Und siehe da: 12 Jahre später, wir nehmen Platz, betätigen den Zündschlüssel und setzen uns in Bewegung. Ruhig, komfortabel und wenn’s denn sein soll auch geschwind. Als hätte es nie ein anderes Auto gegeben. Phantastisch.

Den neuen Wagen teilen wir uns zu dritt, als eine Art IG (Interessensgemeinschaft) 504, drei Vertraute aus alter Zeit, alle 504-erfahren, wer fahren möchte, fährt – das geht problemlos: Kosten und Aufwand werden gedrittelt, die Freude ist dreifach da. Eine gute Sache. Hoffentlich darf man solche Autos noch lange fahren.

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